Wie ich nach Adelaide kam

Hallo, gerade eben bin ich im hochsommerlichen Adelaide angekommen - nach knapp zwei Tagen Fahrt mit dem Indian-Pacific, der auf der vollen Strecke von Perth im Westen nach Sydney im Osten vier Tage braucht. Nachdem ich ja schon einige Erfahrung mit langen Zugfahrten gemacht habe, kam mir das fast wie ein Katzensprung vor. Der Zug bot den ungewohnten Luxus einer Dusche, was aber durch die schlaf-unfreundlichen Sitze wieder ausgeglichen wurde. Ich meine damit, dass ich lieber eine Liege habe als eine Dusche. Na gut, ich haette natuerlich auch viel mehr bezahlen koennen. Gluecklicherweise zog es mein Sitznachbar vor, sich ein Plaetzchen auf dem Boden zu suchen, so dass ich zwei Sitze fuer mich hatte. Ich will mich uebrigens gar nicht beschweren, ich finde Reisen toll und Zugreisen ganz besonders, sei es nun mit Liege oder mit Sitz. Die Reise fuehrte uns ca. 2000 Kilometer durch suedwestliches Buschland. Es gab nur zwei Zwischenstops, der erste in Kalgoorlie, einer alten Goldgraeberstadt, der zweite in Cook, das eigentlich gar nicht mehr existiert. Es gab eine Telefonzelle, einen Souvenirladen und eine verlassene Schule. Auch dieser Ort verdankte seine Existenz dem Gold, das man mal dort mal gefunden hatte. Im Gegensatz zu Kalgoorlie waren die Vorraete aber scheinbar schon erschoepft. In Kalgoorlie entschloss ich mich, ganz entgegen meinen sonstigen Prinzipien eine Busrundfahrt mitzumachen. Der Zug hatte dort einen Aufenthalt von drei Stunden und andertviertel davon konnte man sich damit vertreiben, durch die 32000-Einwohner-Stadt zur angeblich weltweit groessten Goldgrube gefahren zu werden. Da das ganze bei Nacht standfand, konnte man nicht besonder viel sehen. Die Grube laeuft zwar im 24Stunden-Betrieb, aber die Lichter liessen nur erahnen, welchen Anblick sich einer bei Tageslicht geboten haette. Den Abschluss der Tour bildete eine Fahrt durch die beruechtigte High Street, dem Rotlicht-Viertel, in dem man tagsueber auch Fuehrungen durch ein paar ausgewaehlte Bordelle haette buchen koennen - mit Cafe und Kuchen.
Ich fand es sehr amuesant sich solche zu Sehenswuerdigkeiten aufgebauschten Dinge vorstellen zu lassen. Der Ort sah um 23 Uhr so verlassen und unbedeutend aus, dass ich mich fragte, wie die Vielzahl von Hotels dort ueberleben konnte. Und dass es ausser den herumkutschierten Zugpassagieren noch andere Touristen geben konnte, kam mir sehr unwahrscheinlich vor.

Das Zugfahren in Australien hat erstaunliche Aehnlichkeit zum Fliegen: ich musste eine Stunde vorher einchecken und durfte auch nur Handgepaeck mit in den Wagon nehmen, das andere wurde im Gepaeckwagen verstaut. Bahnhoefe sind erstaunlich klein und uebersichtlich, zumindest aus der Sicht einer Reisenden, die viel regelmaessig durch europaeische Hauptbahnhoefe reist. Aber man darf wohl nicht vergessen, dass in Australien nicht viel mehr als 20 Millionen Menschen leben, ein Viertel der deutschen Bevoelkerung, auf einem weiss-nicht-wieviel-fachen der Flaeche.

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