Guangzhou 广州, Kanton

Mein Aufenthalt in Guangzhou war eher zufaellig. Urspruenglich wollte ich nach Guilin 桂林 und Yangshuo 阳朔, und da es keinen direkten Weg von dem etwas abgelegenen Xiamen dahin gab, wollte ich in Guangzhou nur umsteigen. Dann dachte ich, dass ich vielleicht wenigstens einen Tag bleiben koennte, um die Stadt wenigstens mal gesehen zu haben. Im Hospitalityclub habe ich dann auch den netten David gefunden, der seit drei Monaten in Guanzhou Franzoesisch unterrichtet. Ich hab bei ihm zwei Naechte geschlafen und mich waehrendessen entschieden, doch gleich weiter Richtung Laos zu fahren, anstatt mein Visum fuer China, das noch bis zum 8. Dezember gueltig ist, voll auszunutzen. Ich sollte den anderen Laendern Suedostasiens doch ein bisschen mehr als nur 2 Wochen widmen, bevor ich Ende Dezember mit dem Schiff nach Australien schippern werde. Mit David habe ich vor allem DVDs geschaut und bin erst um drei ins Bett gekommen. Natuerlich habe ich mir auch ein bisschen was von Guangzhou angeschaut. Zum Beispiel die Shamian-Insel 沙面岛, die eigentlich gar keine richtige Insel ist, nur ein kleines Stadtteilchen von Guangzhou, das durch einen Fluss und einen kleinen Kanal (?) vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Nur hier durften sich frueher die ersten Auslaender, die nach Guangzhou kamen, ansiedeln. Deshalb sind die Gebaeude auch ein bisschen vom Stil der damaligen Kolonialherren gepraegt. Was allerdings viel aufsehenerregender war aus meiner Sicht, war die Masse an weissen Auslaenderpaerchen, die mit meist 2 chinesisch aussehenden Kleinkindern an der Hand oder im Kinderwagen umher liefen. Beim ersten Mal dachte ich noch, ach interessant und hab spekuliert, wie die Eltern wohl zu diesen Kinder gekommen sind. Beim zweiten Paerchen begann ich mich zu wundern und beim fuenften hoerte ich auf zu zaehlen, auch weil ich mir nicht sicher war, ob ich nicht die gleiche Familie schon zum zweiten Mal gesichtet hatte. Irgendwie wirkten sie aber nie wie eine richtig Familie, eher so als wuerde das Kindermaedchen die Kinder zum Spazierengehen ausfuehren, nur dass ich mir schwerlich vorstellen konnte, dass westliche Paerchen Kindermaedchen fuer chinesische Kinder spielen wuerden. Als ich David von meinem seltsamen Erlebnis berichtete, erzaehlte er mir, dass auf der Insel ein Hotel liegt, das dafuer bekannt ist, Adoptionen von chinesischen Kindern an amerikanische Eltern zu vermitteln. Nun ergab alles seinen Sinn. Die zukuenftigen Eltern haben ihre zukuenftigen Kinder gerade erst kennengelernt, deshalb wirkten sie nicht wie Familien. Eine Sache, die mich beschaeftigt, ist, wie leicht sich diese kleinen Chinesen in ihre neue Heimat einleben werden, zumal die meisten keine Babys mehr waren, manche wohl schon 5 Jahre alt. Ob aus ihnen ganz schnell kleine Amerikaner werden? Und was wird aus dem Chinesisch, das sie vielleicht jetzt noch sprechen? Werden die Adoptiveltern sich daruem kuemmern, dass sie das nicht vergessen? Ich habe gehoert, dass es in New York grosse Mode sein soll, ein chinesisch-sprechendes Kindermaedchen anzustellen.

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